Widescreen
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1. Woher kommen die Balken?

Hierzu muß ich ein wenig ausholen. Anfangs wurden Kinofilme in einem Format von 1,33 : 1 (Mit dem Tonfilm kam das etwas breitere 1,37 : 1 ("Academy"), der Unterschied ist allerdings so gering, daß er hier nicht von Bedeutung ist) gedreht, das heißt, das Bild war um ein Drittel breiter als es hoch war, es wirkte aber ziemlich quadratisch. Auch Ihr Fernseher zu Hause hat dieses Seitenverhältnis von 1,33 : 1 oder auch 4 : 3 (es sei denn, Sie besitzen ein neues 16 : 9-Gerät, dazu gleich mehr):


In den 50er Jahren kam in den USA das Fernsehen in Mode, und die Kinos verloren Besucher. Die Filmstudios mußten sich daher etwas einfallen lassen, um die Leute wieder ins Kino zu locken. Neben Spielereien wie 3D-Filme erfanden sie etwas wirklich sinnvolles: den Breitwandfilm. Populär wurde der Breitwandfilm unter dem Begriff "Cinemascope". Das Filmbild wies in diesem Format eine Größe von 2,55 : 1 auf, d.h. es war mehr als doppelt so breit wie hoch. Dadurch gewann der Film unglaublich an visueller Kraft und versetzte das Publikum in die Handlung hinein. Mit dieser Größe wurde ein Industriestandard geschaffen, der auch heute noch eingesetzt wird. Der erste Scope-Film war die 20th Century Fox-Produktion "The Robe" ("Das Gewand", 1953). Im Laufe der Zeit kamen noch weitere Formate hinzu, die häufig regionale Bedeutung hatten bzw. haben (z.B. 1,75 : 1 in Großbritannien, 1,66 : 1 in Europa, es gibt auch stärkere Formate wie 2,65 : 1). Heutzutage sind fast ausschließlich die Formate 2,35 : 1 und 1,85 : 1 gebräuchlich:




Allgemein spricht man bei Breitwandfilmen von "Widescreen" oder "Letterbox". Um also jetzt die Frage diese Abschnitts zu beantworten, genügt eine einfache logische Überlegung: Wenn ein Film ein Format von 2,35 : 1 hat, wie paßt er dann in meinen Fernseher mit der Größe 1,33 : 1? Man muß irgendwie die Größe des Filmes ändern, so daß er das TV-Format erreicht. Wie das geht? Lesen Sie weiter:


2. Wie paßt der Film in meinen Fernseher?

Zuerst müssen Sie erfahren, wie die beiden Standardformate (1,85 : 1/2,35 : 1) für das Kino produziert werden, da der Transfer fürs Fernsehen unterschiedlich gemacht wird. Im Falle von 2,35 : 1 werden spezielle Linsen auf die Filmkamera montiert, die das breite Bild horizontal so zusammenquetschen, daß es verzerrt auf ein Filmbild in der Größe 1,15 : 1 aufgenommen wird. Auf der Filmrolle haben Sie also ein Bild in der Größe 1,15 : 1. Der Projektor im Kino enthält eine passende Gegenlinse, die das gestauchte Filmbild wieder entzerrt und auf die volle Breite von 2,35 : 1 aufzieht. Einen solchen Film bezeichnet man als "anamorph". Bei Filmen im Format 1,85 : 1 ist das etwas anders. Hier wird der Film ganz normal auf das 1,37 : 1-Filmbild aufgenommen. Man filmt also vertikal mehr, als man eigentlich sehen soll. Im Kino wird dann der obere und der untere Teil des Bildes abgedeckt ("Matting"), so daß das 1,85 : 1-Format entsteht. Die überflüssige Bildinformation wird hierdurch entfernt. Solche Filme werden als "flat" bezeichnet. Beispiele für diese Formate folgen gleich. Der Unterschied in der Filmaufnahme wirkt sich auch auf die Transformation fürs Fernsehen aus, denn man muß unterschiedlich vorgehen:

a) 2,35 : 1 - In diesem Format wird das komplette Filmbild mit dem Film ausgefüllt. Um solch einen Film im Fernsehen zu zeigen, muß das Filmbild so weit verkleinert werden, bis es horizontal in einen Fernseher paßt. Dadurch entstehen zwangsläufig die bekannten schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand. Allerdings sehen Sie so auch den kompletten Film, wie er von Regisseur und Kameramann bildkompositorisch gedacht war. Der Film kann seine volle visuelle Kraft entfalten.


Diese Qualität bekommen Sie im Normalfall allerdings nur bei Premiere, in Einzelfällen auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Die privaten Sender dagegen nehmen hierauf nahezu keine Rücksicht. Was tun sie? Sie passen den Film an das normale TV-Format an, und dies geht nur, in dem man Bildteile wegschneidet! Dabei wird vom Filmbild ein Ausschnitt ausgewählt, der ausfüllend im TV zu sehen sein soll. Dieses Verfahren nennt man "pan & scan" (P&S). Abgesehen davon, daß so 40% des originalen Filmbildes einfach entfernt werden, entstehen künstliche und nicht gewollte Kameraschwenks, z.B. wenn zwei Personen das Bild über die ganze Breite ausfüllen. Das Fernsehformat läßt es nicht zu, daß beide Personen gleichzeitig zu sehen sind, es muß also zwischen den beiden hin und her geschwenkt werden.



An einem Beispiel dargestellt sieht das so aus:

Original-Kinoformat mit drei Schauspielern, die das Breitwandformat sehr schön ausnutzen:




Künstlich erzeugter Bildausschnitt der verstümmelten Vollbildfassung mit neuer Kamerafahrt von rechts nach links, um alle Personen zeigen zu können:

AnfangEnde


Alternativ werden weitere Darsteller einfach weggeschnitten, hier ist der "pan & scan"-Ausschnitt innerhalb des Originalbildes rot markiert:



Als Folge von "pan & scan" gehen Bildkomposition, Details, Atmosphäre und manchmal auch Verständnis verloren. Hier noch ein paar Gegenüberstellungen von Widescreen und "pan & scan" aus dem Film "Eraser":

     

     

     

     

     


Die Fernsehsender verwenden für anamorphe Filme gerne diese Alternative: Das Bild wird nicht vollständig dem Fernseher angepaßt, sondern es wird ein Ausschnitt entsprechend dem 1,85 : 1-Format gewählt. Dadurch geht weniger Bildinformation verloren, und die Balken sind nicht ganz so groß. Allerdings sieht auch dieses Verfahren sehr unschön aus, da der Ausschnitt fest zentriert wird. Wenn sich bsw. zwei Personen an den Bildrändern gegenüber stehen, werden beide abgeschnitten, und das Bild sieht nur noch lächerlich aus. Diese Praxis findet auch bei einigen Videolabels gerne Anwendung, Beispiel hierfür sei die deutsche "Pulp Fiction"-Videokassette von BMG.




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© 1998, 2000 Alex Klutzny

"Eraser" © 1996 Warner Bros.